Zuviel allein ist ungesund – was wir zum Leben brauchen

Ein Stück Zopf mit Marmelade, ein feines Birchermüsli und eine heisse Tasse Kaffee – das alles gab es wieder am Riehener Frauezmorge letzten Samstagvormittag im Café Prisma. Doch nebst dem leiblichen Wohl stand wie immer auch der soziale Aspekt im Zentrum: Es wurden alte Bekanntschaften gepflegt und neue geschlossen, man tauschte sich aus und genoss die Gemeinschaft unter Frauen. Die musikalische Intermezzi von Sabine Schlüter am Klavier boten zwischendurch immer wieder Gelegenheit zum Innehalten.

«Ich schätze die Mischung zwischen Frühstück, gemeinsamer Zeit, gemütlicher Atmosphäre und Input mit Inspiration für den Alltag», erzählte Isabel Rösslein vom Organisationskomitee gegenüber der RZ. Bereits als junge Erwachsene habe sie die Frauezmorge besucht; damals hätten sie noch im Landgasthof stattgefunden und seien von der christlichen Gemeinschaft Aglow organisiert gewesen. Irgendwann sei das Projekt eingeschlafen. Das Riehener Frauezmorge in seiner heutigen Form gibt es seit sieben Jahren. Verantwortlich zeichnet die Evangelische Allianz Riehen-Bettingen.

Die Referentin des vergangenen Samstags dürfte in Riehen vielen bekannt sein. Es war Irene Widmer-Huber, Traumacoach, Sozialdiakonin, Bewohnerin des Gemeinschaftshauses Moosrain und Präsidentin des dazugehörigen Vereins sowie Vorstandsmitglied der Offenen Tür. Der Titel ihres Vortrages klang vielversprechend: «Zuviel allein ist ungesund.» Erwartet hatte man demnach vielleicht ein Plädoyer über Beziehungspflege und die Aufzählung von Nachteilen des Alleinseins. Doch nichts davon war der Fall, im Gegenteil: «Alleinsein und Einsamkeit sind gesund und geben die Chance, insich zu gehen, sich zu sammeln oder auch sich mit Grundfragen des Lebens zu konfrontieren», sagte Irene Widmer-Huber. Das Problem sei eher, relativierte sie dann, wenn das soziale Umfeld, in dem man sich befinde, nicht mehr den eigenen Bedürfnissen entspreche. Dann könne Alleinsein, sofern es in einem Mass sei, das eben nicht mehr dem eigenen Bedürfnis entspreche, die Gesundheit gefährden. Diese beschränke sich nämlich nicht nur auf das biologische und psychische Wohlbefinden, sondern umfasse auch die soziale Komponente. Letztere wiegt manchmal offenbar sogar schwerer: «Lieber mal mit Freunden ein fettes Stück Kuchen statt alleine zu Hause einen gesunden Salat essen», riet die Referentin mit einem Augenzwinkern und ermutigte, selbst ungesundes Alleinsein nicht mit Scham, sondern als Chance zur Veränderung dieses Zustands zu betrachten. Schon kleine Impulse, ein Theaterbesuch zum Beispiel, könnten Wunder bewirken.

Das nächste Riehener Frauezmorge findet am 16. März statt. Karin Schürch, Pflegefachfrau und psychosoziale Beraterin, wird dann zum Thema «Selbstbewusst leben» referieren.

Artikel in der Riehener Zeitung erschienen


Beitrag veröffentlicht

in

von

Schlagwörter: